10.04.2014

...und wie klingt nun dieser Barpianist?

Das habe ich mich ehrlicherweise auch schon manchmal gefragt. Es ist doch ein großer Unterschied, ob man am Klavier sitzt und eine Gesellschaft begleitet, also seine Art des Spiels auf die momentane Stimmung anpasst und sich in den Gesamtsound eingliedert oder eine Aufnahme am Klavier macht. Ähnlich wie wenn man seine eigene Stimme auf Tonband hört. Da allerdings schon viele Leute meine Art des Spiels gelobt haben, wollte ich es genau wissen und habe am 24. Januar 2010, das war einer dieser eiskalten Tage, zwei Mikrofone in meinen Schimmel Stutzflügel gehängt und auf Record gedrückt. Nun, es sind keine Konzertaufnahmen, aber ich denke, man kann meine Philosophie des Spielens heraushören. Stellvertretend für viele andere Stücke meines Repertoires habe ich 4 Stilistiken herausgepickt.

Swing - Satin Doll
Es gibt Kollegen, die sagen, dass das sogenannte Stride Piano aus der Mode gekommen sei. Nun, das finde ich nicht, sondern glaube, das neben dem walking bass das Stride Piano der Spielstil ist, der dem solistischen Swing Piano den richtigen Drive gibt.



Pop Ballade - Song for Guy
Eine wunderbare einfache Komposition, kurz vorm Kitsch, aber ein echter Klassiker des Barpianos. Und man kann prima groovig drüber improvisieren, wie in dieser Version am Ende zu hören ist:



Bossa Nova - Wave
Als ich im Studium meinen Lehrer Armin Keil, einen ausgewiesenen Latin Experten, der lange Jahre in Mittelamerika gelebt hat, fragte, wie man denn Bossa Nova solistisch spielen könne, sagte er nur "schwierige Angelegenheit". Gilt es doch, den ostinaten Bass, die auf der Clave basierenden Akkorde und die Melodie auf zwei Hände zu verteilen. Hier nun mein Lösungsansatz:



Jazz Ballade/Evergreen - What a Wonderful World
Ach ja, Louis Armstrong... Zum Glück haben mir gute Freunde verboten zu singen und der Welt bleibt eine weitere peinliche Satchmo Imitation erspart. Auch hier ist wieder das Stride Piano, diesmal balladesk, zu hören: